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Bund fördert deutsche Games mit bisher 250 Millionen Euro, aber weiß kaum etwas über die Ergebnisse

Die deutsche Games-Branche soll international konkurrenzfähiger werden, neue Studios hervorbringen und Arbeitsplätze schaffen. Dafür unterstützt der Bund seit 2019 die Entwicklung von Videospielen mit erheblichen Summen. Mehr als 250 Millionen Euro sind laut GamesWirtschaft mittlerweile in Games made in Germany geflossen.

Doch wie erfolgreich sind die damit finanzierten Spiele eigentlich? Eine „Kleine Anfrage“ der AfD-Bundestagsfraktion an die Bundesregierung bringt bei genau dieser Frage eine durchaus überraschende Antwort hervor.

Die Fraktion hatte insgesamt 19 Fragen zu Veröffentlichung, Vertrieb und Absatz der geförderten Spiele gestellt. Die Bundesregierung beantwortete die Anfrage mit der Bundestagsdrucksache 21/8101, auf sehr übersichtlichen 82 Seiten.

Über 700 Projekte – aber welche Spiele sind tatsächlich erschienen?

Seit Beginn der Förderung wurden mehr als 700 Projekte unterstützt. Ob die daraus entstandenen Spiele tatsächlich veröffentlicht wurden, wird allerdings nicht flächendeckend erfasst. Stattdessen werde dies im Einzelfall im Zuge der Verwendungsnachweisprüfung untersucht.

Auch darüber, wo die geförderten Titel aktuell angeboten werden, liegen der Bundesregierung nach eigener Aussage keine entsprechenden Erkenntnisse vor. Gleiches gilt für Verkaufszahlen und Umsatzerlöse.

Damit lässt sich anhand der vorhandenen Daten nur eingeschränkt nachvollziehen, welchen wirtschaftlichen Erfolg die einzelnen geförderten Projekte tatsächlich hatten und wie sich die Förderung auf die Unternehmen ausgewirkt hat. Die Bundesregierung verweist allerdings auf Erfolgskontrollen, bei denen unter anderem zufällig ausgewählte Zuwendungsempfänger befragt und die Ergebnisse anonymisiert ausgewertet werden. Weitere genaue Erkenntnisse sollen in Zukunft durch Studien gewonnen werden.

Bemerkenswert ist das vor allem angesichts der Dimension des Programms. Auch für 2027 sind erneut Fördermittel in dreistelliger Millionenhöhe vorgesehen.

Nicht nur die Spiele selbst kosten Geld

Interessant wird es auch abseits der eigentlichen Spieleförderung. Laut GamesWirtschaft flossen seit 2019 fast 17 Millionen Euro an den Projektträger DLR, der unter anderem Antragsteller berät sowie Förderanträge prüft und bewilligt. Allein im vergangenen Jahr waren es demnach mehr als 2,3 Millionen Euro.

Hinzu kommen weitere Ausgaben rund um den Games-Standort Deutschland. Der Auftritt des Forschungsministeriums auf der Gamescom 2025 kostete dem Bericht zufolge etwa rund 240.000 Euro.

Und auch der Deutsche Computerspielpreis kostet nicht nur das eigentliche Preisgeld. GamesWirtschaft führt für 2025 ausgezahlte Preisgelder von 578.952 Euro an. Parallel seien 500.000 Euro an den Game-Verband für die Durchführung der Preisverleihung sowie weitere 241.892,44 Euro an das bei der Stiftung Digitale Spielekultur angesiedelte Award-Büro geflossen.

Die Bundesregierung begründet ihr grundsätzliches Interesse an der Games-Förderung unter anderem mit der wirtschaftlichen und technologischen Bedeutung der Branche. Games seien ein wachsender Teilmarkt der Kultur- und Kreativwirtschaft, dessen Technologien auch außerhalb der Unterhaltungsbranche Anwendung finden könnten.

Die Antwort auf die Kleine Anfrage zeigt allerdings gleichzeitig eine auffällige Lücke: Bei vielen grundlegenden Kennzahlen darüber, was aus den geförderten Spielen nach der Förderung tatsächlich geworden ist, fehlt bislang der vollständige Überblick.

via GamesWirtschaft, Bildmaterial: Enshrouded, entwickelt von Keen Games in Frankfurt und gefördert mit etwa zwei Millionen Euro von der Bundesregierung

13 Kommentare

  1. Und ich bin ehrlich: Abseits von 4 oder 5 Titeln hab ich in dem in den News verlinkten Dokument auch keines der Spiele gekannt.

    Vielleicht hilft es, wenn man wöchentlich die Neuerscheinungen bei GOG mit der Lupe durchkämmt in der Hoffnung, dass endlich mal wieder was für einen dabei ist ... wie ich ... 8)

    Also, auf Anhieb gesehen habe ich da: Tiny Thor (Asylum Interactive), Dataminers und PRIM (beide Application Systems Heidelberg), Lacuna (DigiTales Interactive), Industry Giant 4.0 (Don vs. Dodo), Tropico 6 (Realmforge), Atlas Fallen (Deck 13), Everspace 2 (Rockfish Games). Alles Spiele, die es auf GOG geschafft haben, und das sind leider die Wenigsten.

    Stichproben haben für mich den Ersteindruck bestätigt: Bei sehr, sehr vielen Spielen gibt die Drucksache den von den Entwicklern eingereichten vorläufigen Spielenamen an. Kein Wunder, dass man da kaum etwas wiedererkennt. So ist Studio Fizbins "Project Kokidon" inzwischen als "Reignbreaker" erschienen, aus den "Drei Frauen" von Fein Games wurde "Finding Hannah", Neox' Studios "Harrison Steel in Death Awaits" wurde zu "Timeshift Detective" und King Arts' "Schießeisen" zu "Iron Harvest".

    Viele Einträge haben das "Project" klar im Titel. Es geht um die Entwicklung von Prototypen, buchstäblich also um das Ausloten der Risiken. Und so traurig ich bin, dass aus King Arts' "Wattwanderung" (Arbeitstitel ;) ) nichts geworden ist – hier geht es ja gerade darum, dass der Entwickler nach dem Prototypen sagen kann, nope, das lassen wir mal lieber schön bleiben. Die AfD drängt hier darauf (Frage 17), nur noch "bedingt rückzahlbare Darlehen" an Entwickler zu gewähren – der Todesstoß für die Kulturförderung.

    Die Namen, unter denen Spiele erschienen sind, die zugehörigen Plattformen und die Quintessenz des abschließenden Berichts hätte das Bundesministerium natürlich unter erheblichem Zusatzaufwand recherchieren und übersichtlicher aufschlüsseln können. Aber wenn der faschistische Fragesteller schon höhnt:

    Zitat

    Welchen Zeitaufwand veranschlagt die Bundesregierung für die Beantwortung der Fragen 1 bis 18 dieser Kleinen Anfrage (bitte je Frage gesondert angeben)?

    Die karren Kuhmist vors Ministerium und mokieren sich dann darüber, wie lange die Reinigungsarbeiten gedauert haben. Das muss man sich mal geben! :cursing:

  2. Stichproben haben für mich den Ersteindruck bestätigt: Bei sehr, sehr vielen Spielen gibt die Drucksache den von den Entwicklern eingereichten vorläufigen Spielenamen an. Kein Wunder, dass man da kaum etwas wiedererkennt. So ist Studio Fizbins "Project Kokidon" inzwischen als "Reignbreaker" erschienen, aus den "Drei Frauen" von Fein Games wurde "Finding Hannah", Neox' Studios "Harrison Steel in Death Awaits" wurde zu "Timeshift Detective" und King Arts' "Schießeisen" zu "Iron Harvest".

    Oh, das hab ich tatsächlich nicht gewusst. Spannend, dass du das gesehen hast. Danke für den Nachtrag!

    Viele Einträge haben das "Project" klar im Titel. Es geht um die Entwicklung von Prototypen, buchstäblich also um das Ausloten der Risiken. Und so traurig ich bin, dass aus King Arts' "Wattwanderung" (Arbeitstitel ;) ) nichts geworden ist – hier geht es ja gerade darum, dass der Entwickler nach dem Prototypen sagen kann, nope, das lassen wir mal lieber schön bleiben

    Würde ich auch so sehen. Förderung bedeutet nicht, dass ein Spiel gleich welcher Größe in den Startöchern steht und nur auf eine Finanzierung wartet. Es können auch kleinere Projekte sein, die nicht zu einem fertigen Spiel führen, aber zumindest Arbeiten finanzieren, bin denen ein Studio für sich Werbung machen kann - z.B. die genannten Prototypen oder Tech-Demos. Wenn sie dadurch Aufträge erhalten oder Investoren überzeugen und somit in der Industrie Fuß fassen können, hat die Förderung ihr Ziel erreicht.

    Für Spieler ist es natürlich schöner, wenn bereits laufende oder durchgeplante Projekte eine Förderung erhalten, so wie z.B. bei Tropico 7. Da hab ich letztens bei PC Games ein Interview mit dem Studio gelesen und dort wurde auch gesagt, das solche Gelder viel Druck aus der Produktion nehmen. Heißt nicht, dass die sich jetzt einen faulen Lenz machen, sondern mehr Möglichkeiten für den Umfang des Spiels und die Ausarbeitung von weiteren Ideen gegeben sind. Also das, was wahrscheinlich die meisten von uns sich bei solchen Förderungen vorstellen.

    Die AfD drängt hier darauf (Frage 17), nur noch "bedingt rückzahlbare Darlehen" an Entwickler zu gewähren – der Todesstoß für die Kulturförderung.

    Wäre ja ähnlich wie beim Bafög, was ich auch kritisch sehe. Klar, es muss nur 50 bzw. 25% davon zurückgezahlt werden, aber über mehrere Jahre kann sich da in einem Studium sehr viel ansammeln, gerade, wenn es mal nicht perfekt läuft. Junge Leute dann mit Schulden ins Berufsleben starten zu lassen ... naja.

    Ich hab mal ein staatlich gefördertes Forschungsprojekt mitverfolgt und natürlich sollte das Geld da nicht irgendwo ergebnislos versickern. Entsprechend gab es in jährichen Abständen (war ein größeres Projekt) Rücksprache mit dem Freistaat, in welchem über den Projektstand und die gesetzten Meilensteine diskutiert wurde. Da gab es einen Erfolgszwang, allerdings handelte es sich ja um ein Projekt mit definiertem Ziel und dieses sollte natürlich im gesetzten Zeitrahmen erreicht werden. Ansonsten wäre es ein Fehlschlag und der Staat hätte nichts vorzuweisen.

    Gerade bei größeren Summen von einer Millionen Euro oder mehr als Förderung für ein einzelnes Projekt, sollte der Staat im Bereich Kunst und Kultur auch ohne Erfolgszwang und Vorgabe der Inhalte zumindest wissen, ob man hier seriösen Entwickler hilft oder Scharlatanen auf den Leim geht. Das man z.B. stutzig wird, wenn ein einzelner Entwickler 500.000€ ansetzt für einen billigen Asset-Flip, der in einem Monat als Trash-Ware rausgehauen wird. Sowas würde ich dann schon als Schwindelei einstufen und sollte vermieden werden. Am Ende sollte ein Studio schon sagen können "Dadurch haben wir unser Projekt realisieren oder besser machen können" oder "wir konnten das Projekt nicht beenden, aber es hat uns als Team bzw. Studio dennoch weitergebracht".

    Natürlich weiß ich nicht, ob solche Fälle quasi nie oder des Öfteren auftreten und meine Skepsis in der Hinsicht gerechtfertig ist. Es wäre meine persönliche Erwartungshaltung als Bürger, da es am Ende schließlich um Steuergeld geht. Ähnliches hatte man schon bei Greenwashing im Zertifikatehandel erlebt, wo am anderen Ende der Welt ein Projekt zu CO2-Einsparungen sein sollte (z.B. ein Aufforstungsprojekt oder Solaranlagen), bei Recherchen aber rausgekommen ist, das dort überhaupt nichts in der Art vorlag. Man hatte zwar eine Bescheinigung, aber die war das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben wurde. Das möchte ich in der Gaming-Branche nicht erleben.

  3. Gerade bei größeren Summen von einer Millionen Euro oder mehr als Förderung für ein einzelnes Projekt, sollte der Staat im Bereich Kunst und Kultur auch ohne Erfolgszwang und Vorgabe der Inhalte zumindest wissen, ob man hier seriösen Entwickler hilft oder Scharlatanen auf den Leim geht. Das man z.B. stutzig wird, wenn ein einzelner Entwickler 500.000€ ansetzt für einen billigen Asset-Flip, der in einem Monat als Trash-Ware rausgehauen wird. Sowas würde ich dann schon als Schwindelei einstufen und sollte vermieden werden.

    Ist das als Beispiel gemeint oder ist dir dazu ein konkreter Fall bekannt?

    Mir rollen sich auch die Fußnägel auf, wenn ich von der Förderung von "Modern Snake" und dem "Flight Simulator 2d" lese, aber das waren keine Fördersummen einer halben Million oder gar mehr. Die Darstellung, dass eine einmal bewilligte Förderung nicht zurückgezogen werden kann, ist auch tendenziös – siehe die letzten beiden Seiten der Drucksache. Eine Bewilligung kann zurückgezogen werden, wenn die Ausgangsbedingungen nicht mehr erfüllt sind ("Widerruf im Einvernehmen", "keine ausgezahlten Gelder"). Und dann sehe ich da auch ein paar richtig krasse Fälle, wo der Staat Klage erhebt und Vollstreckungsverfahren einleitet.

    Von den Gollum- und Deponia-Entwicklern Daedalic Entertainment will der Staat immerhin 617.000€ zurück, von den Gothic-Machern Piranha Bytes 530.700€, und die 1.141.239€ vom Handygame-Hersteller m2p Entertainment werden sie wohl aus der Insolvenzmasse klauben müssen.

    Das klingt für mich wirklich nicht danach, als ob den Antragstellern da Millionensummen nachgeworfen werden und dann anschließend keiner mehr hinkuckt.

  4. Wenn ich das richtig verstehe, glaube ich, dass ihr beide Recht habt:

    Nero wünscht sich, dass es nachvollziehbare Kontrollmechanismen gibt, damit die Förderungen ihren Kernzweck erfüllen.

    Bobby nennt Beispiele, dass es bereits heute diese schon gibt.

    Ich denke ,der gemeinsame Nenner ist, dass ihr euch beide wünscht, dass es mehr Transparenz für diese Kontrollmechanismen und das diese auch sinnvoll sein sollten.

    Ich glaube auch das eine, schließt das andere nicht aus. Man kann staatliche Förderung als sinnvoll erachten und trotzdem hinterfragen, wie gut Kontrolle und Transparenz funktionieren.

    Edit: Danke für die letzten Beiträge :)

  5. Ist das als Beispiel gemeint oder ist dir dazu ein konkreter Fall bekannt?

    Das war nur ein überspitztes Beispiel.^^ Du hattest es ja in deinem Beitrag schon erwähnt: Im Nachhinein bei allen Projekten zu schauen, was am Ende daraus geworden ist, wäre mit erheblichem zeitlichen und personellen Aufwand verbunden. Gerade bei kleineren Summen wäre das unverhältnismäßig und würde zu viele Ressourcen binden, die anderweitig sinnvoller einzusetzen sind. Die eine Million diente ebenfalls als Beispielgrenze, ab der genauer hingeschaut werden sollte. Kann natürlich auch höher oder niedriger liegen, je nachdem, was der Bund als sinnvoll erachtet.

    Die beiden letzten Seiten hatte ich zwar im Hinterkopf, nur wusste ich nicht, wie oft und in in welchem Ausmaß diese Klauseln angewandt werden. Aber deinen Beispielen ist ja zu entnehmen, dass der Staat hier durchaus sensibel mit seinen Förderungen umgeht. Mehr wünsche ich mir auch gar nicht.^^

    Sobald irgendwo Geld im Spiel ist, klingeln einfach bei mir sofort die Öhrchen, da immer schwarze Schafe versuchen Geld abzuzwacken (so geschehen in der Corona-Zeit z.B. bei gefälschen Vergütungsabrechnungen für Impfungen oder wie oben beschrieben bei gefälschten CO2-Kompensationsmaßnahmen).

    Ich glaube auch das eine, schließt das andere nicht aus. Man kann staatliche Förderung als sinnvoll erachten und trotzdem hinterfragen, wie gut Kontrolle und Transparenz funktionieren.

    Schön zusammengefasst. Die 250 Millionen sind ja über 7 Jahre gesehen eine geradezu lächerlich kleine Fördersumme für eine gesamte Branche. Da gäbe es wahrscheinlich sehr viele andere Arten von Förderungen, die erheblich höher ausfallen und weniger kritisch nachkontrolliert werden. Entsprechend soll auch nicht der Eindruck entstehen, dass ich hier ausgerechnet die Games-Branche strengen Kontrollen unterlegen sehen will. Für mich ist nur der verantwortungsvolle Umgang wichtig, d.h. bei größeren Summen gewisse Auflagen einbinden und deren Einhaltung überprüfen. Hauptsache, die Gelder landen am Ende bei ehrlichen Entwickler*innen und wenn am Ende noch gute Games herauskommen, haben alle was davon.^^

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